Kurzgeschichten zum lesen | für Kinder & Erwachsene

von j.r. irish

 

VORWORT

 

Liebe Leser,

 

als Buchautorin macht man sich viele Gedanken um die Welt und deren Mitmenschen. Ich möchte nicht nur "einfach" Bücher schreiben, sondern auch die Leser mit meinen Geschichten zum Nachdenken inspirieren.

Leider musste ich feststellen, dass im heutigen Zeitalter die Gier nach Geld, Ruhm und Macht in den Fokus der Menschen geraten ist. Doch ich frage mich, ob wir wirklich das schnellste Auto, die größte Villa und das dickste Bankkonto brauchen, um glücklich zu sein?

 

Was ist aus dem Wert von Liebe, Familie, Freundschaft und Frieden geworden?

 

Mit meinen folgenden Kurzgeschichten möchte ich die Welt daran erinnern, was im Leben wirklich zählt!

 

Viel Spaß beim Lesen! Hinterlasse mir gerne ein Feedback im Gästebuch oder

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Eure Jenny aka J.R. Irish


 

Die Prinzessin und das Glück

 

 

Eine Geschichte über die Liebe

 

 

Es war einmal eine verträumte Prinzessin auf einer Burg. Sie verbrachte am liebsten ihre Zeit im Garten, um die Schönheit der Blumen zu genießen, den Vögeln bei ihrem Gesang zuzuhören und der Natur einfach ein Stück näher zu sein. Eines sonnigen Sommertages, entdeckte die Prinzessin inmitten der bunten Blumenpracht, ein vierblättriges Kleeblatt. „Dich habe ich hier ja noch nie gesehen!“ staunte sie und pflückte es. Dann nahm sie es mit in die Burgbibliothek und suchte dieses Motiv in ihrem Gewächsbuch. Nach langem Suchen fand sie schließlich eine Seite mit einer Abbildung des vierblättrigen Kleeblattes und las: „Ein vierblättriges Kleeblatt steht als Symbol für Glück.“ Die Prinzessin runzelte daraufhin die Stirn. Sie wusste zwar nun, für was dieses wunderschöne Gewächs symbolisiert war, aber jetzt fragte sie sich, was Glück eigentlich bedeutete. Sofort beschloss sie, sich auf die Suche nach Glück zu machen und packte ihre sieben Sachen in einen Beutel. Dann lief sie mit vollem Elan los und beschloss erst zurückzukehren, wenn sie Glück gefunden haben würde. Vor dem Anfang eines Waldstückes, blieb sie noch einmal stehen, atmete tief ein und lief mutig in den dichten Wald hinein.

 

Am gleichen Tage, auf einer einsamen Wiese, übte ein edler Ritter auf seinem Pferd besondere Kampftechniken für das bevorstehende Ritterturnier. Der Ritter war im Dorf sehr beliebt, schließlich gewann er jedes Mal die Turniere und beeindruckte alle Mädchen mit seiner endlosen Schönheit.  Nachdem seine geplanten Kampftechniken auf dem Pferd gelungen waren, galoppierte er zurück in das Dorf und traf sich mit seinen ritterlichen Gesellen in der Dorfschänke. „Na, edler Ritter, bist du schon bereit für das Turnier morgen?“ fragte einer. „Ich bin allezeit bereit zu siegen! Ich könnte dich sogar mit verbundenen Augen schlagen!“ antwortete er und alle Ritter staunten über ihn.  Währenddessen lief die Prinzessin weiter und weiter in den Wald, untersuchte große alte Bäume, sah in Höhlen hinein, kletterte über Steine und Felsen - aber noch gab es keinen Hinweis, wo sich Glück befinden könnte. An einem Fluss angekommen, trank sie hastig von dem kühlen Wasser und lief anschließend sofort weiter - eine Rast würde ihr nur kostbare Zeit kosten. Als es langsam dämmerte, musste sich die Prinzessin eingestehen, dass ihre Reise gar nicht so einfach war und kehrte traurig zurück zur Burg. Mit verschmutzten Schühchen und grasfleckigen Kleid, kam die Prinzessin in später Abendstunde wieder in der Burg an. Sie ließ sich erschöpft auf ihrem Bett nieder und schlief sofort ein.

 

Am nächsten Morgen siegte der edle Ritter beim Turnier und die königliche Herrschaft lud ihn als Belohnung zum königlichen Ball in der Burg ein, der am selben Abend stattfinden sollte. Der edle Ritter nahm die königliche Einladung dankend an und ritt bei Abendstunde zum königlichen Fest. Als er den Tanzsaal ausfindig gemacht hatte, beobachtete er die tanzenden Paare. Dann entdeckte er die Prinzessin neben einem Mädchen und sah, wie sie ihr etwas ins Ohr flüsterte. „Siehst du diesen blonden Jungen dort? Er ist Ritter im Dorf!“ Noch bevor sie den Satz aussprechen konnte, stand der edle Ritter schon vor ihr und forderte die Prinzessin auf einen Tanz auf. Sie lächelte ihn freundlich an und ließ sich mitziehen. „Darf ich mich vorstellen, Prinzessin? Ich bin ein edler Ritter!“ sagte er stolz.  „Ich weiß.“ antwortete sie darauf. „Ich habe das Turnier gewonnen! Hast du mir heute zugesehen?“ prahlte er und machte nach diesem Satz eine elegante Drehung. „Nein, ich habe mich von meiner kleinen Reise ausgeruht. Ich suchte überall nach Glück, ich konnte es aber leider nicht finden!“ Der edle Ritter zog nach dieser Antwort verwundert die Augenbrauen hoch und sagte: „Ich glaube, ich kenne jemanden, der dir helfen könnte! Tief im Wald gibt es einen Turm, in dem ein weiser Zauberer wohnt. Man erzählt sich, dass er alles weiß! Lass uns morgen dorthin reiten, Prinzessin.“ Er lächelte verschmilzt und sie entdeckte seine wunderschönen, tiefgrünen Augen. „Wie schön, dass du mir helfen möchtest, edler Ritter! Ich werde morgen bei Sonnenaufgang auf dich warten.“ Die Prinzessin machte einen eleganten Knicks und lief zurück zu ihrer Freundin, die schon neugierig auf sie wartete. „Und? Wie ist er so?“ fragte sie. „Er ist sehr nett. Morgen reiten wir zusammen in den Wald!“ antwortete diePrinzessin. Daraufhin applaudierte ihre Freundin voller Begeisterung. 

 

Am nächsten Tag ritten die Prinzessin und der edle Ritter durch den Wald. 

Vor einem großen, wildbewachsenen Gebüsch voller stacheligen Rosen, stiegen sie vom Pferd ab und durchquerten vorsichtig das Gestrüpp. Dann entdeckten sie endlich den Turm und liefen die winzigen Treppen hinauf. Oben angekommen, sprang der weißbärtige, weise Zauberer, der ein langes Gewand trug, aus seinem Versteck und rief: „Was habt ihr denn hier zu suchen? Das ist mein Turm!“ „Ich brauche Eure Hilfe, weiser Zauberer! Sagt mir bitte, wo ich Glück finden kann!“ sagte die Prinzessin. Der weise Zauberer beäugte die beiden und tanzte dann kichernd im Kreis herum. „Mein liebes Kind, Glück kann man nicht finden, denn Glück findet dich!“ Nachdem er das sagte, hatte sich der Zauberer mit seinem Gewand plötzlich in Luft aufgelöst. „Er hat sich einfach davongezaubert! Komm, wir reiten zurück zur Burg!“ sagte der Ritter, nahm die Prinzessin an die Hand und lief mit ihr zurück zu den Pferden. Den ganzen Heimweg lang, dachte die Prinzessin über die Worte des Zauberers nach und wurde traurig, denn weiterhelfen konnte er ihr nicht. Der edle Ritter versuchte die Prinzessin aufzumuntern, indem er ihr eine rote Rose pflückte und sie ihr schenkte.

 

Es vergingen ein paar Tage, die Prinzessin suchte weiter und weiter nach Antworten. Der edle Ritter tauchte weiterhin bei Sonnenaufgang bei der Prinzessin auf, um ihr bei der Suche nach Glück zu helfen. Sie ritten durch Wälder, überquerten Flüsse, kletterten auf Berge und wanderten durch Täler. Die Prinzessin genoss die stets treue Begleitung des edlen Ritters und bemerkte plötzlich, dass sie ihn sehr gern hatte.

 

Einige Monate später, wartete wieder die Prinzessin bei Sonnenaufgang auf dem edlen Ritter. Doch als er nicht auftauchte, machte sie sich Sorgen um ihn und beschloss, ihn zu suchen. Sie sprang auf ihr Pferd, ritt in das Dorf und hielt Ausschau nach dem edlen Ritter. Und als sie ihn auf einer einsamen Wiese endlich entdeckte, wie er auf seinem Pferd für das nächste, bevorstehende Ritterturnier trainierte, flüsterte sie: „Was für ein Glück, ihm geht es gut!“ Und da begriff die Prinzessin es plötzlich! Erleichtert sprang sie vom Pferd, nahm den edlen Ritter fest in den Arm und sagte zu ihm: „Mein lieber Ritter, DU bist Glück. Ich habe Dich endlich gefunden.“

 


 

Paul und das Geburtstagsgeschenk

 

 

Eine Geschichte über die Familie

 

 

Eines kalten Winterabends, wird Paul und seine kleine Schwester Anna von ihrer Mama ins Bett gebracht. „Träume süß!“ sagte sie, deckte Paul zu und küsste ihn auf die Wange. „Oma Frieda wird diese Nacht über euch wachen. Ruf einfach nach ihr, wenn du böse Träume hast.“ fügte sie dann hinzu. „Aber Mama, wohin gehst du denn? Ich habe morgen doch Geburtstag!“ „Ich weiß, mein Schatz. Aber dein Papa und ich müssen Tante Hannah in ein Krankenhaus fahren, das eine Weile von hier entfernt ist. Morgen früh werden wir wieder rechtzeitig zurück sein und dann feiern wir deinen sechsten Geburtstag!“ „Bekomm ich auch Geschenke?“ „Natürlich wirst du das!“ antwortete sie und lächelte freundlich. Dann verließ sie leise das Kinderzimmer und schloss die Türe. Paul guckte zum Bett seiner kleinen Schwester, die schon längst eingeschlafen war. „Was ich wohl von Mama und Papa geschenkt bekommen werde?“ dachte sich Paul und kann vor Aufregung gar nicht schlafen. Doch irgendwann, siegte schließlich die Müdigkeit und Paul versank in seinen Träumen.

 

Mitten in der Nacht wurde Paul von einem Geräusch aufgeweckt. Müde öffnete er die Augen und blickte um sich. „Ob Mama und Papa schon zurück sind?“ fragte er sich. Und wieder krachte es. Paul stand auf und guckte durch das Fenster, woher das Geräusch kam. Er konnte kaum glauben was er da sah: überall Schnee! Der Winter war über Nacht eingetroffen und hat die Welt mit einem dicken Schneeteppich eingedeckt. Paul dachte sich nichts dabei und krabbelte zurück ins warme Bett.

 

Am nächsten Morgen wurde Paul von seiner Oma Frieda und der kleinen Schwester Anna aufgeweckt. Als er die Augen öffnete, entdeckte er den leckeren Schokoladenkuchen in Omas Händen, in den sechs brennende Kerzen steckten. Oma und Anna begannen ein fröhliches Geburtstagslied zu singen, während Paul tief Luft holte und die Kerzen auspustete. „Alles Liebe zum Geburtstag, Paul!“ rief Oma, legte den Kuchen beiseite und nahm ihn liebevoll in den Arm. Auch Anna kletterte auf das Bett, nahm ihren Schnuller aus dem Mund und küsste ihren Bruder auf die Backe. „Igitt!“ rief Paul und stieß Anna leicht beiseite. „Na los, lass uns diesen köstlichen Kuchen essen!“ sagte Oma, nahm Anna an die Hand und lief ins Esszimmer. Paul folgte ihnen und konnte es kaum erwarten, dort Mama und Papa anzutreffen, um seine Geschenke entgegenzunehmen. Doch im Esszimmer waren sie nicht. „Wo sind Mama und Papa? Sie haben mir doch versprochen, rechtzeitig da zu sein!“ rief Paul verärgert. „Vielleicht verspäten sie sich etwas! Lass uns doch schon mal den Kuchen probieren!“ schlug Oma vor und schob ein großes Stück auf Pauls Teller. Paul setzte sich an den Tisch und nahm gar nicht die bunten Luftballons wahr, die im ganzen Haus verteilt waren. Mit jedem Bissen den er machte, hoffte er, dass seine Eltern nun kommen würden und er endlich seine Geschenke auspacken könnte.

 

Nachdem er den Kuchen aufgegessen hatte, beobachtete er, wie Oma Frieda seiner kleinen Schwester lachend die Kuchenreste aus dem Gesicht entfernte. „Das ist mein Geburtstag! Das ist so gemein!“ rief er, stampfte auf und rannte in sein Zimmer. Oma Frieda kam sofort hinterher und versuchte Paul zu beruhigen: „Paul, hab doch noch etwas Geduld! Mama und Papa werden bestimmt bald hier sein! Zieh dir doch etwas Schönes an und putz deine Zähne, danach werden sie sicherlich eingetroffen sein!“ Oma Frieda blickte nach diesen Satz verunsichert auf ihre Armbanduhr. Paul war einverstanden.

 

Es war nun schon 11 Uhr und keine Spur von Mama und Papa. Paul gesellte sich wieder zu Oma Frieda und Anna, die gemeinsam etwas malten. „Möchtest du mitmachen?“ fragte Oma. „Nein, ich möchte meine Geschenke haben!“ „Ach Paul, Geschenke sind doch nicht das Wichtigste!“ „Doch, sind sie!“ widersprach er gleich. Dann nahm er schließlich einen blauen Buntstift und malte ein großes Geschenk auf dem Mal-Block. Nach einer Weile bemerkte er, wie Oma Frieda wieder nervös auf die Uhr starrte. Dann stand sie auf und guckte aus dem Fenster. „Kommen sie endlich?“ fragte Paul ungeduldig. „Nein, Paul. Die Straßen sind vollkommen eingeschneit! Ich denke, sie müssen etwas langsamer fahren wie sonst, deswegen verspäten sie sich!“ Genervt malte Paul weitere Geschenke und wünschte sich, dass diese echt wären und vor ihm stehen würden.

 

Am späten Mittag, aßen Paul und seine Schwester ein leckeres Nudelgericht, das Oma gekocht hatte. Wieder kleckerte sich Anna mit der Tomatensoße voll und selbst Paul musste sich anstrengen, nicht darüber zu lachen. Nach dem Essen zogen sie sich ihre Schneeanzüge an und bauten im Garten mit Oma Frieda einen lustigen Schneemann mit einer Karottennase. Danach legten sie sich in den Schnee und bewegten Arme und Beine, so dass ein Schneeengel entstand. Paul und Anna lachten über ihre Kunstwerke und freuten sich.

Nach einer Weile machte Oma Frieda eine heiße Schokolade, wickelte Paul und Anna in eine warme Decke ein und las ihnen eine Geschichte vor. Paul bemerkte gar nicht, dass es draußen langsam dämmerte. Erst nachdem seine Oma nach der Geschichte wieder nervös auf die Uhr und danach aus dem Fenster schaute, bemerkte er, dass sie sich Sorgen machte. Anna war bereits eingeschlafen und Paul befreite sich von der Decke. Er stellte sich neben Oma an das Fenster, nahm ihre Hand und wünschte, dass seine Eltern endlich kommen würden, damit Oma nicht mehr traurig sein würde.

 

Am späten Abend dann, kurz bevor Paul mit Oma Frieda auf dem Sofa eingeschlafen wäre, hörte er, wie die Haustür aufging. Oma sprang auf und Paul gleich hinterher. Sogar Anna wurde wieder wach und eilte herbei. „Mama! Papa! Ihr seid endlich da!“ rief Paul erleichtert, umarmte sie fest und bemühte sich, nicht zu weinen. „Oh Paul, es tut uns so leid! Ein Schneesturm hat uns aufgehalten, deswegen konnten wir nicht früher hier sein!“ „Ist schon gut, Mama!“ Auch Oma umarmte die beiden erleichtert und sagte: „Wie gut, dass euch nichts zugestoßen ist! Ich hatte solche Angst!“ Da erkannte Paul, das seine Oma vollkommen Recht hatte. Auch er war froh, dass seine Eltern unversehrt zurückgekommen waren und alles andere war ihm plötzlich egal.

 

So saß die Familie zusammen und Paul bekam endlich seine Geschenke überreicht. Doch er legte sie - ohne auszupacken - beiseite und sprach: „Die brauche ich nicht! Denn das größte und schönste Geschenk der Welt seid ihr, meine Familie!“ Seine Eltern und Oma Frieda waren gerührt von Pauls Erkenntnis und nahmen ihn liebevoll in den Arm. Denn nicht die materiellen Dinge im Leben zählen, sondern es sind die Menschen, die Dich lieben und die Du liebst.

 


Fiona, die Fee

 

 

Eine Geschichte über die Freundschaft

 

 

An einem wunderschönen Morgen im Zauberwald, erwachte die kleine Fee Fiona aus ihrem Schlaf. Sie streckte und reckte sich, gähnte einmal kräftig und konnte es kaum erwarten, hinaus in den Zauberwald zu fliegen. Es war ein ganz besonderer Tag für Fiona, denn sie wird das erste Mal mit anderen Feen um die Wette fliegen. Aufgeregt kam sie am Treffpunkt auf einer großen, wildbewachsenen Wiese an. Schon einige junge Feen haben sich dort versammelt und warteten auf die Feenkönigin, die den Preis für die Gewinnerfee bei sich trug. Als diese herbeiflog, applaudierten die Feen begeistert und stellten sich in die Startlöcher. Auch Fiona machte sich bereit und starrte auf die Siegermedaille. „Liebe Feen, herzlich Willkommen zum jährlichen Wettfliegen! Eure Aufgabe ist es, über die Wiese zu fliegen, bis ihr an der großen Eiche ankommt. Fliegt einmal um sie herum und wieder zum Start zurück! Die schnellste Fee wird als Sieger belohnt werden!“ rief die Feenkönigin mit ihrer sanften Stimme. „Ich werde das schaffen!“ dachte sich Fiona. Nach dem Startsignal flog sie so schnell es ging mit ihren kleinen Flügeln los. Über wunderschöne Blumen, Sträucher und Grashalme flog sie empor und hatte nur noch eine Fee zu überholen. Von weiten sah sie schon die Eiche und bemühte sich, noch schneller zu fliegen. Und als sie es tatsächlich schaffte, über die Fee emporzufliegen, konnte sie es kaum glauben nun Erste zu sein. Fiona konzentrierte sich auf die Eiche, um möglichst wenig abzubremsen und bemerkte plötzlich, wie die Fee unter ihr das Gleichgewicht verlor und gegen die Eiche prallte. Fiona schreckte auf und folgte der Fee, die in das Gras fiel. Mühevoll kämpfte sie sich durch die dichten Sträucher und sah sie auf dem Boden liegen. Die anderen Feen sausten über ihnen vorbei und für eine Sekunde, ärgerte sich Fiona über ihr Handeln. Sie kniete sich zur verletzten Fee nieder und fragte. „Alles in Ordnung?“ Sie kniff erschöpft die Augen auf und sah Fiona an. „Ich habe mir den Flügel angeschlagen! Ich glaube, ich kann nicht mehr fliegen!“ Fiona sah den Schmerz in ihren Augen. „Ich werde dir helfen aufzustehen, dann probieren wir es gemeinsam.“ „Na gut.“ Vorsichtig stützte Fiona die verletzte Fee, die nun wackelig auf den Beinen stand. „So, das wäre geschafft! Und nun versuche deine Flügel zu bewegen!“ Die Fee tat es und rief: „Aua! Der rechte Flügel tut so weh!“ Sie fing an zu weinen. „Na gut, dann versuchen wir jetzt gemeinsam zu fliegen! Nimm meine Hand!“ sagte Fiona. „Aber wie soll das funktionieren?“ fragte die Fee. „Vertrau mir einfach!“ antwortete sie. Fiona bewegte kräftig ihre Flügel, nahm etwas Feenstaub in die Hände und pustete es auf die verletzte Fee. „Und jetzt nimm meine Hand, der Feenstaub wird dir dabei helfen abzuheben!“ Sie nahmen sich an die Hand und Fiona zog sie mithilfe des Feenstaubes in die Lüfte. Während sie langsam über die Wiese flogen, fragte die verletzte Fee: „Wie heißt du eigentlich?“ „Ich bin Fiona, und du?“ „Ich heiße Sina!“ Sie lächelten sich an und genossen die bunte Blumenpracht, über der sie nun flogen. Von Weiten sah Fiona, das alle anderen Feen am Ziel angekommen waren und es schon einen Gewinner gab. Doch sie war nicht traurig darüber, schließlich konnte sie der verletzten Sina helfen zurückzufliegen und ihre Hilfsbereitschaft machte sie trotzdem zu einer Heldin. „Könnten wir bitte gleich zu mir Nachhause fliegen? Ich möchte nicht, dass die anderen mich so sehen und denken, ich wäre ein Schwächling!“ bat Sina. „Einverstanden! Wo wohnst du denn?“ „Gleich nebenan, bei dem Baum da vorne.“ Sina zeigte auf einen großen Baum. Sie flogen auf ihn zu und Fiona ließ Sina vorsichtig auf einem Ast nieder. „Sina! Mein Kind, was ist denn passiert?“ Sofort flog Sinas Mutter herbei. „Ich habe meinen Flügel verletzt! Fiona hat mir geholfen zurückzufliegen!“ „Das war eine heldenhafte Tat von dir, liebe Fiona! Vielen Dank!“ „Das habe ich gerne gemacht!“ antwortete sie stolz und flog davon. 

 

Am nächsten Tag dachte Fiona nur an die verletzte Sina. Sie fragte sich, wie es ihr wohl ginge. Da beschloss sie prompt, ihr einen Besuch abzustatten.

„Wie geht es dir?“ fragte sie, als sie Sina auf einem Blatt sitzen sah. „Fiona! Schön dich zu sehen! Leider geht es mir nicht sehr gut, ich kann immer noch nicht fliegen!“ Sina sah sehr traurig aus. „Wenn du möchtest, probieren wir es gemeinsam, Tag für Tag!“ schlug Fiona vor. „Oh ja, das wäre himmlisch!“ Mit Feenstaub und Fionas helfende Hand, übten sie gemeinsam zu fliegen. 

So wurde Sina jeden einzelnen Tag von Fiona besucht und sie flogen so lange, bis Sinas Flügel plötzlich wieder genug Kraft hatte, zu funktionieren. Fiona klatschte vor Freude in die Hände, als sie ohne Hilfe wieder fliegen konnte. Auch Sina war überwältigt und umarmte Fiona voller Glück. „Ich danke dir, Fiona! Ohne dich, hätte ich das niemals geschafft!“ flüsterte sie dann. „Es hat Spaß gemacht, mit dir zu fliegen! Wenn du möchtest, können wir das weiterhin zusammen machen!“ schlug Fiona vor. „Ich würde nichts lieber tun als das!“ Die beiden freuten sich und flogen davon. Als sie eine kurze Pause einlegten und sich auf eine Wiese niederließen, flog plötzlich eine Gruppe Feen vorbei, die ebenfalls am Flugwettbewerb teilgenommen hatten. „Oh, seht mal wen wir hier haben! Die zwei Feen mit ihren langsamen Flügeln! Wie fühlt man sich denn so als Verlierer?“ alberte einer. Sina senkte traurig den Kopf. Fiona stand auf und sagte zu ihnen: „Ich bin kein Verlierer, denn ich habe dadurch Sina kennengelernt, die beste Freundin, die es gibt!“ „Stimmt! Du Angeber magst zwar eine Medaille um dich tragen, doch der wahre Preis, ist unsere Freundschaft! Und Freundschaft ist wertvoller, als jedes Stück Gold dieser Welt“ fügte Sina hinzu. Die Feen sahen sich sprachlos an und flogen peinlich berührt davon.

 

So flogen Fiona und Sina - Hand an Hand - lachend und überglücklich in den Sonnenuntergang.


 Die Sonne und der Mond

 

 

Eine Geschichte über den Frieden

 

 

Eines sonnigen Sommerabends, fielen die letzten sanften Abendstrahlen der Sonne auf die Erde hinab. „Mach dich bereit, lieber Mond! Die Erde wird langsam dunkel und müde!“ sagte sie zu ihm. „Na endlich, das wurde ja auch Zeit!“ antwortete der Mond darauf. „Tu nicht so, als würden sich die Menschen auf dich freuen! Sie haben mich viel lieber als dich.“ „Das glaube ich nicht, liebe Sonne. Warum sollten sie dich mehr mögen als mich?“ „Ganz einfach, lieber Mond! Ich erfülle den Morgen mit Helligkeit, erwärme das Gemüt der Menschen mit meinen angenehmen Strahlen und mache Kinder glücklich, wenn sie an heißen Tagen ein leckeres Eis essen dürfen!“ antwortete die Sonne voller Stolz. Der Mond überlegte kurz. „Damit hast du wahrscheinlich recht, liebe Sonne. Doch auch ich kann mit meinem sanften Licht die Dunkelheit erleuchten und alle Lebewesen staunen lassen, sobald sie mich im Himmel sehen. Und auch ich mache Kinder glücklich, wenn ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen wird.“ Die Sonne dachte über die Aussage des Mondes nach und erkannte, dass der Mond ihr mehr ähnelte als sie dachte. Da kam ihr wieder eine Idee: „Doch sag mir, wie fühlt es sich an, auf die Erde zu blicken, wenn alles schläft? Ist das nicht langweilig? Mir wird viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie dir!“ Der Mond blickte auf die Erde hinab und sah, wie die Kinder langsam müde wurden und zu Bett gebracht werden. „Das ist nicht wahr, auch ich werde bewundert! Zumindest können mich die Menschen ansehen, dich nicht!“ antwortete der Mond. „Gut, dann lass und morgen anhand eines Kindes testen, wen er von uns lieber hat!“ „Einverstanden!“

 

Am nächsten Morgen fielen die ersten Sonnenstrahlen der Sonne auf die Erde. Sie beschloss, den ganzen Tag lang ein Auge auf einen kleinen Jungen namens Leon zu werfen. Dieser lag noch schlafend im Bett, ehe die Sonne ihn mit ihren Strahlen an der Nasenspitze kitzelte. Er lächelte, als er wach wurde und streckte sich. „Heute wird ein schöner Tag! Ein Ausflug mit der Familie“ rief er voller Aufregung. Nach dem Frühstück packte die Familie ihre Rucksäcke zusammen, stiegen auf das Fahrrad und fuhren los. Neben wunderschönen Ackerlandschaften, Flüssen und saftigen Wiesen, fuhr Leon seinen Eltern hinterher und genoss den milden Wind, der in sein Gesicht blies. Da kamen sie mit den Fahrrädern plötzlich an einem großen Spielplatz an. Leon war begeistert und stieg gleich vom Fahrrad ab, um auf einem Klettergerüst zu turnen. Währenddessen bereiteten seine Eltern das Picknick vor und legten eine große Decke auf die Wiese, direkt unter einem Baum, der Schatten spendete.

 

Nach einer Weile gesellte sich Leon zu seinen Eltern auf die Wiese. „Mir ist heiß!“ jammerte er. Die Sonne erschrak und reduzierte ein paar Sonnenstrahlen. „Komm in den Schatten und trink etwas!“ sagte seine Mutter. Nachdem sich Leon etwas ausgeruht hatte, spielten sie noch ein Kartenspiel und fuhren dann denselben wunderschönen Weg Nachhause.

 

Als die Familie angekommen war, kochten sie gemeinsam ein Abendessen und setzten sich raus auf die Terrasse. Die Sonne gab ihre letzten Strahlen auf die Erde, ehe es langsam dämmerte. „Liebe Sonne, so beliebt warst du heute wohl nicht! Leon war es zu heiß und die Familie suchte einen Schattenplatz!“ sagte der Mond zur Sonne, bevor er sich am Himmel erscheinen ließ. „Da hast du Recht, lieber Mond. Doch ohne mich, hätte die Familie diesen schönen Ausflug wohl nicht machen können. Und jetzt bist du an der Reihe, lieber Mond.“ Er nickte und erleuchtete die Erde mit seinem Licht. Leon saß nun mittlerweile mit seinen Eltern vor einem kleinen Lagerfeuer, inmitten des Gartens. „Mir ist kalt!“ jammerte er und seine Mutter gab ihn eine warme Decke. Er kuschelte sich ein und sah in die Flammen des Feuers, während das Mondlicht auf die Familie hinabfiel. „Wie viele Sterne sind denn am Himmel, Papa?“ fragte er. „Lass sie uns doch zählen!“ schlug er vor. Und die Familie zählte die Sterne und lachten über ihre unterschiedlichen Ergebnisse. Der Mond freute sich über den Spaß der Familie, den er mit Einbruch der Dunkelheit ermöglicht hatte. „Wenn du möchtest, lese ich dir noch eine Geschichte vor, bevor du ins Bett musst.“ sagte die Mutter. Leon freute sich über den Vorschlag. So las sie mithilfe des Mondlichtes eine Geschichte vor, bis Leon tief und fest in den Armen seines Vaters einschlief. „Na, was sagst du, liebe Sonne?“ fragte der Mond. „Na ja, Leon war es zu kalt und die Familie musste sich mit einem Lagerfeuer und einer Decke wärmen. Ich habe gewonnen!“ sagte sie und wandte sich vom Mond ab. „Nein, hast du nicht!“ rief der Mond und drehte sich ebenso beleidigt von ihr weg. Doch als Leon plötzlich aufwachte, als sein Vater ihn ins Bett trug, sagte er zufrieden: „Danke, für diesen wunderschönen Tag und diesen wunderschönen Abend, Papa! Jetzt werde ich eine wunderschöne Nacht haben und kann es kaum erwarten, dass wieder ein wunderschöner Morgen kommen wird!“ Da musste die Sonne und der Mond sich wieder ansehen und sie erkannten, dass sie gemeinsam ein unschlagbares Team waren. Sie lächelten sich an und die Sonne sagte: „Entschuldige, lieber Mond. Die Menschen brauchen uns beide, um glücklich zu sein.“ „Da hast du vollkommen Recht, liebe Sonne! Lass uns weiterhin gemeinsam harmonieren und uns nicht mehr streiten, denn Frieden ist das Wichtigste, was man der Welt geben kann.